Sie mussten eine ganze Weile kriechen, bis der Gang wieder eine Biegung machte und endlich ein gutes Stück geräumiger wurde. In diesem Abschnitt konnte man zwar aufrecht stehen aber der Boden war mulmig und schlüpfrig wie ein Floß aus aufgeweichtem Karton. Im trüben Schein der Fackel konnte man nicht viel mehr erkennen als die Reflexionen am Boden, die deutlich zeigten, daß der Schacht knöcheltief in einer öligen Suppe schwamm und der Geruch dieser schillernden Tunke war beunruhigend. Irgendwas zwischen Wachsseife und Pentachlorgas. Bancroft fluchte als er am Grund mit dem Fuß an eine Metallkante stieß und ihm die Bodenlache ins Gesicht spritze. Aber Fosset, der hinter ihm immer dicht am fahlen Glimmer der Fackel zu bleiben versuchte, hielt ihn plötzlich hart am Kragen fest und sagte „Halt. Warte mal! Komm noch mal zurück!“. „Was denn - Scheiße!? Ich bin gegen so ‘ne scheiß Kante gestolpert. Hab‘ den Dreck voll in die Fresse gekriegt!“ ranzte Bancroft, ohne sich auch nur um zu drehen. „Komm noch mal her. Los! Da war irgendwas an der Wand!“. Bancroft fuhr herum und kreiste mit der qualmenden Fackel nach allen Seiten. Langsam und gründlich suchte er nochmal auf 2 Meter Länge beide Wände, Decke und Boden des Schachtes ab. Dann sahen sie es beide. Es war eine Art Schleuse, eine mannsstarke Eisentür, die gut einen Meter über dem Boden angebracht war und scheinbar nicht verschlossen war. Als Fosset den Bügel mit beiden Händen griff und sich mit seinem ganzen Gewicht rein legte, gab es einen Ruck.



( "Der letzte Kriecher" Bastei-Fantasia Nr. 2733 )


Das dumme Ding regte sich noch immer nicht. Bolte krallte seine Fingernägel hinter die Kante der Plastikwand und versuchte erst sie nach vorne zu ziehen, dann nach links zu schieben und schließlich wackelte und rüttelte er noch und nochmal an der dunkelbraunen Plastiktür um zu ergründen, ob das Teil sich überhaupt in irgend eine Richtung bewegen wollte. Dann fluchte er lautstark, grob und explosiv um sich schließlich eine kurze Atempause zu gönnen. Wäre dies bloß ein ordinärer Kaffee- automat gewesen und keine Codebox und hätte er in den Slot dort nur ein 50ct-Stück gesteckt und nicht seine ID-Chipcard, dann hätte er der ganzen Apparatur bereits vor 20 Minuten einen Tritt versetzt, der mindestens die Stahlkappen seines Stiefels zusammengestaucht hätte. Aber Bolte durfte hier keine falsche Bewegung machen. Hinter dem braunen Plastikschieber lag jetzt eine Beleg-Printcard, mit der er oben im 4. Stock eine Quittung abholen musste, die er widerum benötigte um seinen Antrag auf Sonderausgang vollständig abgeben zu können. Und diese scheiß Printcard lag da jetzt wie eine tote Spinne hinter dem Schieber und war nicht raus zu bekommen. Einen Moment lang dachte Bolte, dass er diese dünne Plastiktür mit einem Hammer zu Klump hauen könnte. Es war doch nur 2 mm starker Kunststoff. Aber oben im Slot steckte ja auch noch seine ID-Chipcard fest. Wenn er die nicht wieder rauskriegte war Alles für den Arsch. Eigentlich konnte er nichts Legales tun außer den Vorfall zu melden aber in der Zeit, die es brauchen würde, in die Meldestelle zu gehen, dort eine Wartemarke zu ziehen usw. könnte leichthin ein Idiot beim Versuch, die IPC-Box nach ihm zu benutzen, seine ID-Chipcard ganz zercrunchen oder sogar aus Versehen seine Beleg-Printcard wieder löschen.



( "Abteilung für besch&aum;digte Daten" Bastei-Fantasia Nr. 2754 )


Diese Tapeten waren alter Scheiß! Versuchte man, sie naß von der Wand ab zu ziehen, so lösten sie sich einige Zentimeter weit glatt ab, nur um dann abrupt zu reissen und eine breite Zone halb angeklebter Fetzen am Rand zu hinterlassen. Wollte man diesen klebrigen Fetzen mit einem Messer oder mit den Fingernägeln wieder anlösen, so schabte man unweigerlich Scharten und Kratzer in die Wand, bekam aber doch die Tapetenkante nicht zu fassen. Millimeter für Millimeter musste man die Substanz dieser Scheißtapete wie Klebstoffreste von einer CD-Hülle herunter pulen. Etzel hatte im ersten Anfall von Raserei nach einem Spachtel gegriffen und versuchte nun, Stück für Stück das Zeug mit dem Bedampfer weich zu machen und dann vorsichtig weg zu schrappen. Knapp über der Fußleiste stieß er gegen einen Nagel oder wer weiß was. Dann aber brachte der Spachtel eine Kante zum Vorschein. Etzel kratzte ein kurzes Stück dieser Kante vom anderen Ende der Wand aus frei und merkte sofort, dass die Wand hier leicht nach gab. Er hatte den Spalt einer Klappe oder einer Türe erreicht. Etzel steckte den Spachtel quer in die kurze Lücke und riss die Tapete entlang der Öffnung komplett entzwei. Wie ein auf die Tapete gemalter Strich zeigte der Riss nun das Bild einer seltsamen Tür. Fast quadratisch, doch nur knapp 1 Meter 20 hoch und etwa eine Hand breit über dem Boden endend. Das was unter dem klebrigen Belag der Tapete hervor blitze sah nach lackiertem Metall aus aber es konnte auch Holz oder sonstwas sein. Etzel klopfte das Quadrat ab und tastete durch die Tapete nach Anzeichen eines Schlosses. „Was soll denn eine Tür hier?“



( "Tief in der Wand" Bastei-Fantasia Nr. 2747 )


Es waren diese furchtbaren Sitzgerätsitze, diese Stangenmöbel, Sitze ohne Beine, je 4 auf der Reihe, die gemeinsam als schwebende Plastikschalen mit Synthetiküberzug auf einem Bankgerüst verschraubt waren. Harry schüttete seinen gesamten Haß über dem Muster dieses Synthetiküberzuges aus und fand nur häßliche Worte für die deprimierende Farbkombination, die in einem Muster ohne jeden Geschmack und Schönheitssinn auf dem widerwärtigen Kunststoff verteilt war. Wäre diese armselige Andeutung einer Sitzgelegenheit mit schwarzem Leder bezogen gewese, so wäre Harry sicherlich darauf reingefallen und hätte sich damit beruhigt, daß dies eine häßliche aber klassische Designentartung der todunglücklichen, sinnverödeten 80er Jahre sei und so hätte er vielleicht seinen Hass direkt auf die Wand und die darin eingefasste Tür verwenden können, denen er gegenüber auf diesem Brechmittel von Pseudositzgelegenheitsandeutung ausharrte. Die Tür war dabei von Form und Oberfläche, von Farbe und Einfassung, vom Detail der Türklinke, die sich nicht mal als Designklobürste einer Discotoilette hätte sehen lassen könne, bis zum popelig graugrünen Dichtungsgummi, das rings um die Tür zu sehen war, nicht minder widerwärtig als die Kackschale, auf der Harry nunmehr seit einer geschlagenen halben Stunde ausharrte und dieses innenarchitektonische Desaster von Türstock, Tür, Türschild und furzfarbig in Schwämmchentechnik betünchter Grobfasertapete mit punktueller Spotbeleuchtung anglotzte. Das Alles war ohne Zweifel widerwärtig. Aber hinter all diesem - hinter der optischen Schweinerei dieser Tür inmitten der ganzen Katastrophe dieses Flures mit Kotzwänden, Kotzsitzen und Kotzbeleuchtung, ja hinter dieser Türe wartete das Kotzigste überhaupt!



( "Die Vorgesetzte" Bastei-Fantasia Nr. 2721 )


Sie waren 12 Männer und 5 Frauen, die im Engen Raum vor dieser Tür warteten. Die Kabine rüttelte immer wieder auf und nieder, schleuderte sie mitunter fast von ihren Sitzen und häufig gegeneinander. Die rotorange Warnleuchte über ihnen kreiste unablässig und warf ihre Blitze über die schmalen Gesichter im Dunkeln der Panzerkammer. Man konnte die Turbine des CX-15 fast mehr spüren als hören, obwohl der Lärm des Triebwerks wie ein Granitbohrer an ihren Nerven rüttelte. Durch das winzige Bullauge der Tür konnte man nichts als pechschwarze Nacht erkennen, wenn es auch schien, als ob dort Spritzwasser von Wellen oder Regengüssen zu sehen war. Dann wurde der Rumor des Getriebes von einem hohen Fiepton übertönt, der über wenigstens 3 Minuten anhielt. Als er aufhörte konnte man kurz das Anlaufen von zwei Zusatzmotoren zu beiden Seiten der Tür vernehmen. Dann kam ein etwas tieferer Alarmton in kurzen Intervallen aus dem Lautsprecher an der Decke und zwei gelbe Leuchten neben der Tür blinkten dazu im Takt.

Sie mussten ihr Ziel erreicht haben.

In wenigen Sekunden würde der Intervall-Alarm in eine anhaltende Sirene übergehen und die gelben Warnlichter würden auf grün wechseln. Die Tür würde sich mit einem Ruck nach außen lösen und im nächsten Moment abgesprengt werden.

Hennings spürte, daß er gleich kotzen müsste. Er schluckte einige Tropfen warmer Galle herunter und versuchte, seinen Atem zu kontrollieren.



( "Vor der Zone" Bastei-Fantasia Nr. 2738 )


Jensson musste dringend. Das WC war im Keller und er stolperte vorbei an Plakaten und Graffittis durch den Flur an dessen Ende er kurz überlegen musste. Wo ist Herren? Nein - das war privat und darum auch abgeschlossen. Ein Blick auf die Pissoirs sagte ihm, dass er die richtige Tür gefunden hatte. Er zupfte sein Ding raus und schnaubte „Aaaah“ als sein Pissestrahl lautstark in die Kloake sprudelte. Hinter ihm räusperte sich jemand im abgeschlossenen Örtchen. Jensson drehte sich nicht um, er konnte sich gar nicht umdrehen, so lustvoll ließ ihn die Erleichterung erstarren. Er kuckte nur starr auf den Strahl, der aus seiner Mitte in das weiße Porzellan vor ihm strotzte. Dann wurde hinter ihm gefurzt. Jensson horchte auf das strullernde Geräusch im ansteigenden Wasser und streifte mit seinem Blick an Aufklebern und Schmierereien entlang, die den gekachelten Wandteil vor ihm zierten. Langsam ließ der Druck nach und er machte vorsichtshalber einen halben Schritt näher zum Becken hin. Aus Jensson kam das Wasser nur noch in kleinen Mengen, ohne Schwung, heraus. Eher tröpfchenweise. Noch immer stand er ganz befriedigt durch die Erleichterung und wartete den letzten Tropfen ab. Nun wurde hinter ihm sehr heftig gefurzt und man hörte noch ganz andere Geräusche. Es roch auch dazu passend. Wieder Räuspern.



( "Das Goldene Parkett" Bastei-Fantasia Nr. 2767 )
bolte bancroft